Die Legende von der Erschaffung der ambulanten Physiotherapeutin

Als der liebe Gott die ambulante Physiotherapeutin erschuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden. Da erschien ein Engel und sagte: “Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur!” Der liebe Gott antwortete: “Hast Du die lange Liste spezieller Wünsche gesehen? Sie soll als Mann und Frau lieferbar sein, wartungsfrei und leicht zu desinfizieren, aber nicht aus Plastik, sie soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Rücken, auf dem sich alles abladen läßt, dabei aber so zierlich, daß sie sich in einem engen Kleinwagen wohlfühlen kann. Sie muß fünf Dinge zur gleichen Zeit tun können und soll dabei immer noch eine Hand frei haben.”

Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: “Sechs Hände, das wird kaum gehen!” “Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen”, sagte der liebe Gott, “aber die drei Paar Augen, die schon das Standardmodell haben soll: ein Paar, daß die Lunge von innen sehen kann, ein zweites Paar am Hinterkopf, mit dem sie sieht, was man vor ihr verbergen möchte, was sie aber unbedingt wissen muß und natürlich das eine Paar hier vorn, mit dem sie einen Patienten ansehen kann und ihm bedeutet: ich verstehe dich und bin für dich da, ohne daß du ein Wort sprechen mußt.”

Der Engel zupfte ihn leicht am Ärmel und sagte: “Geht schlafen Herr, und macht morgen weiter.” “Ich kann nicht”, sagte der liebe Gott, “ich habe bereits geschafft, daß sie fast nie krank wird und wenn, dann heilt sie sich selber, sie begreift, daß ca. 400 Muko – Patienten in Berlin-Brandenburg zu betreuen sind, aber nur 5 ambulante Therapeuten zur Verfügung stehen, sie hat Freude an einem Beruf, der alles fordert und schlecht bezahlt wird, sie kann mit Berufsverkehrschaos und Staus leben und kommt mit wenig Pausen aus..”

Der Engel ging langsam um das Modell der Physiotherapeutin herum: Das Material ist zu weich”, seufzte er. “Aber dafür zäh!”, entgegnete der liebe Gott. “Du glaubst gar nicht, was es alles aushält!”

“Kann sie denken?” “Nicht nur denken, sondern urteilen und Kompromisse schließen”, sagte der liebe Gott.

Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. “Da ist ein Leck”, sagte er. “Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht, zuviel in das Modell hineinzupacken.”

“Das ist kein Leck, das ist eine Träne!” “Und wofür ist die?” “Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit”, sagte der liebe Gott versonnen. “Die Träne ist das Überlaufventil!”

(Autor unbekannt)