Ausbildungszentrum OTA GmbH

Berufliche Bildung für benachteiligte und behinderte (Reha) Jugendliche im Auftrag des Arbeitsamtes:

  • Erstausbildung
  • Berufsvorbereitung
  • Arbeitserprobung

In Berufsbereichen von Handwerk und Industrie: Buchbinder; Büro; Elektroinstallation; Farbe; Gartenbau; Hauswirtschaft; Floristik, Heizungs- und Sanitärinstallation; Technisches Zeichnen; Holz; Metall

 

Berufliche Bildung im Ausbildungszentrum OTA

Das Ausbildungszentrum OTA GmbH (gemeinnützig) ist eine Tochtergesellschaft der Stiftung für berufliche Bildung OTA-Tanyildiz (gemeinnützig), die 1994 von Erman Tanyildiz als private Stiftung gegründet wurde. In sie flossen die Erfahrungen von 10 Jahren Arbeit auf dem Gebiet geförderter beruflicher Bildung durch die OTA GmbH ein. Das Spektrum an beruflichen Bildungsangeboten richtet sich speziell an Jugendliche und junge Erwachsene, die auf dem freien Markt keine Ausbildungschance erhalten, weil sie entweder aufgrund körperlicher Einschränkungen oder Lernbehinderungen oder Sinnesschädigung (insbesondere Hörbehinderung) oder auch aufgrund sozialer Benachteiligungen besondere Hilfen benötigen.

Die Berufsausbildung erfolgt wie die betriebliche Ausbildung im Rahmen des dualen Systems, d.h. die berufspraktische Ausbildung findet in unserer außerbetrieblichen Einrichtung und der Theorieunterricht in der entsprechenden Berufsschule statt. Weitere berufspraktische Erfahrungen eignen sich die Auszubildenden während der mindestens 12 Wochen pro Ausbildungsjahr stattfindenden Praktika in Betrieben der freien Wirtschaft an. Im Gegensatz zur normalen betrieblichen Ausbildung sind die Ausbildungsbedingungen, die Ausstattung, die sozialpädagogische sowie die begleitende medizinische und psychologische Betreuung ganz auf die Belange von behinderten bzw. benachteiligten Jugendlichen abgestellt.

Die Größe der Ausbildungsgruppen erlaubt eine individuelle Betreuung. Neben gut ausgerüsteten Ausbildungswerkstätten und speziellen Arbeitshilfen für körperbehinderte Auszubildende gibt es ein Fachkabinett für Gehörlose, ein Wohnheim und ein umfangreiches Angebot für die Gestaltung der Freizeit (Discothek, Kreativwerkstatt). Die Auszubildenden haben die Möglichkeit der Teilnahme am internationalen Jugendaustausch.

 

So können Sie sich für eine Ausbildung bewerben

Eine direkte Bewerbung beim Ausbildungszentrum OTA ist nicht möglich. Ihr Erstansprechpartner ist die Berufsberatung des Arbeitsamtes, das für Ihren Wohnort zuständig ist. Dort erhalten Sie eine ausführliche Beratung, in der geklärt wird, ob für Sie eine geförderte Ausbildung in unserer außerbetrieblichen Einrichtung in Frage kommt. Nach positiver Klärung der Fördervoraussetzungen und einem anschließenden Vorstellungsgespräch in unserer Bildungseinrichtung entscheiden wir über Ihre Aufnahme und schließen mit Ihnen einen entsprechenden Ausbildungsvertrag ab.

 

Folgende Ausbildungsmöglichkeiten erwarten Sie

Neben Maßnahmen der Berufsvorbereitung und Arbeitserprobungen erfolgt die berufliche Erstausbildung nach den regulären Ausbildungsordnungen für anerkannte Berufsausbildungen (§25 BBIG/ HWO) oder nach besonderen Ausbildungsregelungen für Behinderte (§48 BBIG/ §42 b HWO). Entsprechend dem jeweiligen Leistungsstand ist ein Wechsel zwischen den Ausbildungsformen möglich, nachdem mit der zuständigen Kammer die Einzelheiten abgestimmt und mit dem Rehabilitationsträger Einvernehmen hergestellt wurde. Ziel der Ausbildung ist die Qualifizierung der benachteiligten bzw. behinderten Auszubildenden in einem zukunftsorientierten Beruf mit allen notwendigen fachlichen und sozialen Kompetenzen. Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluß werden Hilfen für die anschließende Eingliederung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt angeboten.

Für Informationen über unser Leistungsangebot und Zugangsvoraussetzungen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung. Die Zuweisung erfolgt grundsätzlich über die Berufsberatung des zuständigen Arbeitsamtes.

Josef-Orlopp-Straße 45-49
10365 Berlin-Lichtenberg
Telefon: (030) 5 57 56-0
Telefax: (030) 5 57 56-1 66
www.Ausbildung-OTA.de
info@Ausbildung-OTA.de

 


 

Meine Ausbildung bei OTA

Vor Beginn meiner Ausbildung verbrachte ich viel Zeit im Berufsinformationszentrum und bei der Berufsberatung in der Behindertenabteilung des Arbeitsamtes. Aufgrund meines Gesundheitszustandes und meiner häufigen Fehlzeiten kam eine Ausbildung in öffentlichen Betrieben nicht in Frage. Die Untersuchung beim Medizinischen Dienst ergab, dass ich nicht mehr als 6 Stunden arbeiten sollte. Ein Mitarbeiter der Berufsberatung teilte mir daraufhin mit, dass ich als Behinderter die 8 Stunden Ausbildung schaffen muss oder ich habe eben Pech gehabt. Außerdem muss man für den Anspruch auf eine EU-Rente mindestens 5 Jahre Rentenbeiträge einzahlen.

Das Arbeitsamt stellte mir verschiedene Ausbildungszentren vor. Nachdem ich alle besucht hatte, entschied ich mich für das Ausbildungszentrum OTA GmbH, in einem anderen Zentrum waren bereits alle Plätze belegt und ich hätte noch ein Jahr warten müssen, Zeit die ich nicht hatte. Bei OTA bekam ich sofort ein 4-wöchiges Praktikum mit einer Arbeitserprobung angeboten. Die Arbeitserprobung dient dazu, die eigenen Fähigkeiten zu testen und um herauszufinden, welcher Beruf in Frage kommt. Nach den 4 Wochen Praktikum unterschrieb ich als erster den Ausbildungsvertrag und am folgenden September ging es los. Meine Ausbildung zur Bürokauffrau dauerte 3 Jahre von 1995 bis 1998. Eine Internatsunterkunft war nicht vorgesehen, ist aber möglich, wenn man aus einem anderen Bundesland kommt oder im Elternhaus Probleme hat.

Die praktische Ausbildung bei OTA fand dreimal in der Woche je 8 Stunden statt, an den anderen beiden Tagen besuchte ich die Berufsschule für jeweils 6 Stunden. Berufspraktische Erfahrungen konnte ich mir jedes Jahr 12 Wochen in einem Betrieb der freien Wirtschaft aneignen. Entweder hat man sich seinen Praktikumbetrieb selbst gesucht oder man bekam einen von OTA vermittelt. Manchmal wird sogar ein Praktikant nach bestandener Prüfung übernommen.

Im ersten Jahr erlernte ich ausschließlich theoretisches Wissen in einer Gruppe. Im zweiten und dritten Jahr durchlief ich verschiedene Abteilungen in der Übungsfirma wie Einkauf, Verkauf, Rechnungswesen, Personalwesen, Lager usw. Während der gesamten Ausbildungszeit standen mir außerdem Stützlehrer, ein Arzt, ein Psychologe und ein Sozialpädagoge zur Seite. Neben Theorie und Praxis kamen noch Hausaufgaben und der übliche Lernstress dazu. Im Alltag war deswegen keine Zeit mehr für meine Therapie. Früh musste ich um 5:00 Uhr aufstehen, abends kam ich gegen 17:30 Uhr nach Hause und war so fix und fertig, dass ich meistens gleich schlafen gegangen bin, ohne Therapie, ohne Mahlzeit, nichts ging mehr. Deswegen habe ich meine Therapie – Inhalation und Krankengymnastik – nach einem Gespräch mit meinen Ausbildern die Arbeitszeit verlegt.

Die Ausbildung hat mir viel Freude bereitet, war aber körperlich so anstrengend, dass mein Gesundheitszustand anfing, sich zu verschlechtern, Krankenhausaufenthalte wurden immer länger. Es war mir nicht mehr möglich, öffentliche Verkehrsmittel wegen der Ansteckungsgefahr und der hohen Belastung bei Wind und Wetter zu benutzen. Vom Arbeitsamt bekam ich deswegen einen Fahrdienst, den mein Vater organisiert hatte und der mich täglich zu meinem Ausbildungszentrum und zur Berufsschule und wieder nach Hause fuhr. Ganz unkompliziert war es allerdings auch nicht, da ich manchmal vergessen wurde oder lange warten musste wegen dem dichten Verkehr in der Stadt. Im letzten Jahr ging es mir so schlecht, dass wir überlegen mussten, ob wir die Ausbildung um ein halbes Jahr verlängern. Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben. Ausbilder, Nachhilfelehrer und Sozialpädagogen haben mich unterstützt, wo sie nur konnten. Von meinem behandelnden Arzt bekam ich nun auch tagsüber Sauerstoff verordnet. Der Unterschied machte sich deutlich bemerkbar. Ich war nicht so extrem müde, konnte mich besser konzentrieren ohne Kopfschmerzen und mein Puls raste nicht mehr so schnell.

Ich bin immer wieder froh, dass ich mich für eine Ausbildung bei OTA entschieden haben. In einem öffentlichen Betrieb hätte ich aufgrund meiner langen Fehlzeiten nie eine Chance gehabt und die Prüfung nie so erfolgreich bei der Industrie- und Handelskammer abgeschlossen. Mit der bestandenen mündlichen Prüfung war die Ausbildung beendet. Einen Tag nach der mündlichen Prüfung meldete ich mich arbeitslos, doch diese Zeit war alles andere als angenehm. In der Behindertenabteilung des Arbeitsamtes wurde ich unfreundlich behandelt. Nach einem halben Jahr fing ich glücklicherweise beim Mukoviszidose Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. an, der gerade einen neuen Mitarbeiter bzw. Nachfolger für die Finanzarbeit suchte.

Jana Zimmermann