CJD Asthmazentrum Berchtesgaden

Das Asthmazentrum Berchtesgaden ist eine Modelleinrichtung des christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands (CJD). Als Rehabilitationszentrum baut es auf der jahrzehntelangen Erfahrung auf, die das CJD in der medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation gesammelt hat.

Seit der Gründung des Jugenddorfes im Jahre 1987 denken viele hundert Schüler und Auszubildende gern an ihre Zeit in Berchtesgaden zurück, weil sie hier gelernt haben, daß die meisten mit der chronischen Erkrankung verbundenen Probleme lösbar sind und individuelle Lebensziele auch verwirklicht werden können.

Das CJD Asthmazentrum Berchtesgaden liegt inmitten der Berchtesgadener Alpen auf einer Seehöhe von ca. 1000 m. Doch nicht nur die Vorteile einer wunderschönen Landschaft zwischen Watzmann, Untersberg und Hohem Göll sind für den Therapieerfolg ausschlaggebend. Entscheidender noch ist die geringe Schadstoffbelastung und das weitgehende Fehlen allergieauslösender Umgebungsstoffe wie Pollen, Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Fachgesellschaften wie die Europäische Gesellschaft für Klimatherapie halten daher das hochalpine Klima in dieser Höhenlage für eine wichtige Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Rehabilitation.

 

Betreuung und medizinische Versorgung

Im CJD Asthmazentrum Berchtesgaden werden Kinder ab dem sechsten Lebensjahr, Jugendliche und junge Erwachsene (etwa bis zum zwanzigsten Lebensjahr) betreut. Die Wohngruppen sind mit jeweils zwölf Plätzen ausgestattet und auf insgesamt sieben Häuser verteilt. In jeder Wohngruppe gibt es Ein-, Zwei- und Dreibettzimmer, die nach pädagogischen und medizinischen Gesichtspunkten belegt werden. Für die Betreuung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen steht rund um die Uhr ein erfahrenes Ärzteteam zur Verfügung. Das Zentrum bietet viele diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Jeder Wohngruppe ist ein Hausarzt zugeordnet und die Therapie wird von einer Hausschwester/Krankenschwester überwacht. Besonderer Wert wird auf die intensive Zusammenarbeit mit dem Elternhaus gelegt. Die Kinder können von Eltern, Verwandten und Freunden im CJD Asthmazentrum Berchtesgaden besucht werden. Ein direkter telefonischer Kontakt ist in jede Wohngruppe mittels Durchwahlnummern möglich.

Abteilungen des Asthmazentrums

  • medizinisches Zentrum und Physiotherapie, Leitung von Fachärzten (Internisten, Kinderärzten, Allergologen)
  • pädagogischer Bereich
  • psychologischer Bereich
  • Schulzentrum mit besonders kleinen Klassen in Grund- und Hauptschule, mit Realschule und Gymnasium sowie einer Fachschule (Kinderpflege)
  • vorberufliche Förderung mit Arbeitserprobungs- und Berufsfindungsmaßnahmen sowie den einjährigen Förderlehrgang

 

Schulische Ausbildung

Ab dem Schuljahr 2001/02 ist es chronisch kranke Kinder erstmals möglich, im CJD Asthmazentrum Berchtesgaden in der Grund- und Hauptschule (K) die Mittlere Reife mit der 10. Klasse (M) zu erlangen. Der hier erzielte Abschluss entspricht der Mittleren Reife jeder anderen Realschule.

Diesen wichtigen Abschluss zu erreichen, gelingt chronisch kranken Kindern aufgrund ihrer krankheitsbedingten Schulausfallzeiten ohne gezielte Förderung nicht oft. Dabei ist ein „hoher“ Schulabschluss für den weiteren Lebens- und Berufsweg nötig, weil die jungen Menschen mit ihrem Handicap viele Berufe nicht ausüben können.

Gerade da setzt neben der qualifizierten medizinisch-therapeutischen Versorgung das schulische Förderkonzept des Asthmazentrums ein. Den Lehrern der kleinen Klassen, deren Stärke 14 Schüler nie übersteigt, stehen weitere Fachkräfte zur Unterstützung bei.

Gezielt gefördert werden Schüler, bei den Legasthenie oder Diskalkulie vorliegt oder wenn aufgrund z.B. längerer Krankenhausaufenthalte deutliche Defizite im Basisstoff zu attestieren sind. Und bei einem Krankenhaus Aufenthalt erscheint der Lehrer auf der Station, d.h. es wird weiter der Lernstoff des aktuellen Unterrichts vermittelt – sofern der junge Patient soweit wieder genesen ist.

 

Berufliche Ausbildung

Die Arbeitserprobung dauert maximal vier Wochen und hilft bei feststehendem Beruf, die Eignung zu klären. Die Berufsfindung hilft, wenn der Berufswunsch noch nicht klar ist und dauert maximal drei Monate. Nach dieser Orientierungsphase kann das gefundene Berufsfeld durch ein Förderungslehrgang vertieft werden, um die Ausbildungs- oder Arbeitsreife zu erreichen. Der Förderungslehrgang dauert ein Jahr.

Bei der Berufsfindung werden je nach Krankheit Berufsfelder erprobt: Büro/ Verwaltung/ Verkauf – Elektrotechnik – Textiltechnik – Papier- und Drucktechnik – Metalltechnik – Hauswirtschaft – Haustechnischer Dienst.

Die Anmeldung zur Arbeitserprobung erfolgt durch die Berufsberatung des jeweiligen Arbeitsamtes am Wohnort. Das Arbeitsamt prüft die Voraussetzungen und nimmt dann mit dem CJD Asthmazentrum Berchtesgaden Kontakt auf. Das Arbeitsamt übernimmt die vollen Maßnahmekosten, Unterkunft und Verpflegung, Fahrgeld, Lehr- und Lernmittel und unter bestimmten Voraussetzungen auch ein monatliches Ausbildungsgeld. Wenn ein Platz im Asthmazentrum zur Verfügung steht, können Arbeitserprobungs- und Berufsfindungsmaßnahmen jederzeit beginnen. Der einjährige Förderungslehrgang startet jeweils im September eines Jahres.

Die Ausbildung wird in folgenden Berufen durchgeführt: Büro/ Verkauf – Hauswirtschaft – Hotel/ Gastgewerbe.

 

Ziele der Rehabilitation

Ziele der Rehabilitation im CJD Asthmazentrum Berchtesgaden sind neben der gesundheitlichen Stabilisierung die Wiedereingliederung der jungen Patienten in Schule, Freizeit und in das beginnende Berufsleben.

Um dieses Ziel in einem überschaubaren Zeitraum zu erreichen, arbeiten Ärzte, Schwestern und Sporttherapeuten, Lehrer und Sozialpädagogen, Psychologen und Ausbilder eng zusammen. Die Arbeitsgrundlage stellen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Rehabilitation und der Verhaltensmedizin dar, alle Tätigkeiten orientieren sich außerdem – wie im gesamten CJD – am christlichen Menschenbild.

Das Betreuungskonzept des CJD Asthmazentrum Berchtesgaden besteht aus folgenden Teilzielen:

  • Krankheitsbewältigung
  • Verbesserung der Leistungsfähigkeit
  • Verbesserung der Leistungsbereitschaft (Motivation)
  • Abbau von Ängsten und Verbesserung von Selbstvertrauen
  • Stärkung positiven Sozialverhaltens

 

Kosten

In das CJD Asthmazentrum Berchtesgaden können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aufgenommen werden, die an folgenden Krankheitsbildern leiden:

  • Asthma bronchiale
  • chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen
  • Mukoviszidose
  • Neurodermitis
  • allergische Erkrankungen anderer Organsysteme

Die Aufnahme in das Asthmazentrum ist dann möglich, wenn der Hilfesuchende nicht nur vorübergehend körperlich wesentlich behindert ist – in der Regel mindestens 50 % Grad der Behinderung oder Behinderung droht. Für die nachschulischen Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation sind die Arbeitsämter zuständig, die auch die Kosten dafür tragen. Falls eine vorübergehende gesundheitliche Verschlechterung eintritt, die eine verstärkte ärztliche und pflegerische Betreuung erfoderlich macht, übernimmt die Krankenkasse die vollen Kosten.

CJD Asthmazentrum Berchtesgaden
Buchenhöhe 46
83471 Berchtesgaden
Tel. 08652 / 6000 – 444

 

 

Mukoviszidose und Ausbildung

 

Aus dem Leben eines Betroffenen

Zuerst möchte ich mich kurz vorstellen: mein Name ist Dirk W. Seit meiner Geburt leide ich an der Erbkrankheit Mukoviszidose. Heute bin ich 19 Jahre und habe sicher noch eine lange Zukunft vor mir.

Früher wohnte ich bei meinen Eltern in Osnabrück. Hier musste ich immer häufiger zur IV-Therapie, worunter die schulischen Leistungen und auch der Kontakt zu meinen Mitschülern litt. Als ich Mitte 1997 von der Betreuung von CF-Patienten im CJD Asthmazentrum Berchtesgaden 1997 erfuhr, beschloss ich, dorthin umzuziehen. Im August 1997 war es soweit. Anfangs fiel mir die Trennung schwer, doch bereits nach kurzer Zeit fand ich im Asthmazentrum neue Freunde. Vielen hier ging es daheim nicht anders als mir, doch im Asthmazentrum finden wir viel Unterstützung. Nicht nur bei den Ärzten, sondern auch in der Schule und in der Ausbildung, wo wir spezielle Hilfen erhalten.

In den vier Jahren, die ich jetzt hier lebe, habe ich viel erreicht. Im Juli 1999 habe ich die Hauptschule mit einem super Zeugnis beendet. Vielleicht zu gut, vor allem aber zu schnell. Denn ich wusste nicht, was ich in einer Ausbildung sollte, woran ich eigentlich Spass hätte. Daher machte ich vorausgehend einen Förderlehrgang. Hier lernt man sieben verschiedene Berufsfelder kennen und merkt bald, wozu man Lust hat und wo die eigenen Fähigkeiten eigentlich liegen. Ausbilden lassen kann man sich hier zum Bürokaufmann, zum Hotelfachmann, zum Einzelhandelskaufmann, zum Hauswirtschafter und zum Verkäufer. Ein anderer Mukopatient macht hier die Ausbildung zum Metallbauer. Marcos Verlauf ist besser, er ist kräftiger als ich. Für mich kommt ein Beruf, wo ich körperlich so schwer arbeiten muss, nicht in Frage. Daher entschied ich mich während des Lehrgangs, die Ausbildung als Kaufmann für Bürokommunikation zu beginnen. Das gefiel mir am Besten.

Im September 2000 habe ich dann hier im Asthmazentrum die dreijährige Lehre begonnen. Die Ausbildung ist toll. Man lernt viel kennen (neben dem notwendigen Wissen auch nette Leute) und kommt nicht nur im Betrieb gut herum. Diese Ausbildung könnte ich sicher nicht überall machen. Hier im Asthmazentrum stellt man sich jedoch auf mich und meine Krankheit ein. In anderen Wirtschaftsbetrieben würde sicher nicht so drauf geachtet. Zudem sind diese Betriebe finanziellen Zwängen unterworfen, können vielleicht während der Ausbildung Fehlzeiten, die durch z.B. eine IV-Therapie entstehen, daher nicht auffangen.

Auf den Abschluss der Ausbildung freue ich mich schon, denn ich möchte später einen normalen Beruf ausüben. Ich bin zwar chronisch krank und mir meiner Möglichkeiten bewusst, auf Sozialhilfe möchte ich aber nicht angewiesen sein. Ich will meine Zukunft planen und mein Leben gestalten – nicht andere für mich!

Seit ich hier bin, habe ich besser gelernt, mit meiner Krankheit umzugehen. Ich habe gelernt, mit den häufigen IV-Therapien umzugehen. Es hat auch sein Gutes – ich darf soviel essen, wie ich will :-).

Ich bin froh, dass es das Asthmazentrum gibt und kann es jedem nur weiter empfehlen. Wenn Ihr Fragen habt, ruft doch einfach Mal an.

Tschüß Ihr/Euer Dirk W.