Physiotherapie bei Kindern

Blubbern mit dem Gartenschlauch

Elternseminar des Mukoviszidose e.V. in Berlin/Schwanenwerder 2007: Physiotherapeutin Christine Berlin gibt praxisnahe Hilfestellungen

„Elternanleitung ist bei erkrankten Kindern in diesem Alter unheimlich wichtig.“ Das betonte Physiotherapeutin Christine Berlin beim Seminar für Eltern neudiagnostizierter Kinder mit Mukoviszdose in Berlin/Schwanenwerder während des Workshops „Physiotherapie bei Mukoviszidose“. 25 Eltern von Kindern im Alter von zweieinhalb bis vier Jahren gab Berlin einen Überblick über die Vielfalt der physiotherapeutischen Behandlungen und verdeutlichte die Wichtigkeit dieser Arbeit. „Wie die richtige Ernährung und die medikamentöse Behandlung ist die Physiotherapie eine Basistherapie“, so Berlin, die den Workshop als Vertreterin des Mukoviszidose Landesverbandes Berlin-Brandenburg e.V. leitete. Sie erläuterte die Atemtherapie und Inhalation, die dem Sekrettransport, der Thoraxmobilisation und der Verbesserung der allgemeinen Kondition dienen sollen. Thema war auch die autogene Drainage, eine Atemtechnik für lungenkranke Patienten mit viel Bronchialsekret, bei der das Sekret ohne „Gewalt“ und fremde Hilfe abgeatmet und schließlich abgehustet werden kann.

Gerade bei Kleinkindern sei das Therapieengagement der Eltern wichtig, „denn die Kinder können nicht allein inhalieren und ihre Übungen machen“. Berlin: „Die Eltern müssen der Schub sein, da der Physiotherapeut nur einmal in der Woche da ist.“ Ganz praxisnah erläuterte die Dozentin Übungen wie Rutsche und Brücke und demonstrierte an einem Workshop-Teilnehmer Dehnungsübungen für den Brustkorb. Rege nutzten die Eltern die Möglichkeit, Hilfsmittel auszuprobieren – etwa Pustespielzeug (Röhrchen, „Kügelchenpusten“, Seifenblasen) für die Kleinkinderbehandlung. „Oder etwa einfach einen Gartenschlauch ins Wasserglas halten und die Kinder blubbern lassen“, dies ist für Berlin ein weiteres alternatives Hilfsmittel der autogenen Drainage.

Zudem verdeutlichte sie, wie wichtig Sport für die Patienten ist. „Sport hat einen positiven Einfluss auf die Lungenfunktion, steigert die körperliche Leistungsfähigkeit und stärkt die Psyche.“ Als geeignete Sportarten nannte sie Schwimmen, Ballspiele oder Radfahren. Als sportliche Betätigung zwischendurch biete sich Treppensteigen an. In kleinen Diskussionsrunden besprachen die Eltern mit Christine Berlin Vor- und Nachteile einzelner Therapieelemente und tauschten Erfahrungen aus. Für Fragen stellte sich zudem eine Patientin der Physiotherapeutin zur Verfügung. Das Fazit der Workshop-Leiterin lautete: „Es hat sehr viel Spaß gemacht – besonders, weil die Eltern großes Interesse gezeigt und super mitgemacht haben.“

Ilka Wienecke

Infokasten:

Christine Berlin (24) ist seit Oktober 2006 als mobile Physiotherapeutin für den Mukoviszidose Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. tätig. Von 2002 bis 2005 studierte sie an der Saxion Hogeschool Enschede (Niederlande) Physiotherapie und schloss das Studium mit dem Bachelor of Sciene ab. Sie absolvierte Praktika in Irland und Südafrika. Zudem arbeitete sie während ihres Praxisjahres bei einer Kinder-Physiotherapeutin in Hessen und war an der Kinderklinik Gießen tätig, wo sie den ersten Kontakt mit Mukoviszidose-Patienten hatte. Im Sommer 2006 arbeitete Christine Berlin als Physiotherapeutin in der Reha- und Fachklinik „Satteldüne“ auf der nordfriesischen Insel Amrum.